VERBUND DER NACHKOMMEN DER IM JULI 1941 VON GESTAPO ERMORDERTEN

LEMBERGER PROFESSOREN

Oborniki Śląskie, 55-120 ul. Modrzewiowa 20 Polen

Den 22 April 2002.

Ü b e r s e t z u n g   Iin s  D e u t s c h e Sprache!

Herrn Präsident
der Bundesrepublik Deutschland

Johannes Rau

Durch Vermittlung
Von Herrn Botschafter der BRD
In Warschau

Sehr geeherter Herr Präsident,

Es ist usere tragische Pflicht, Sie als den hőchsten Repräsentat der Bundesrepublik Deutschland und des deutschen Volkes an den Deutschen zur Zeit des 2 Weltkriges vollbrachten grausamen Mord an unseren Vätern, Grossvätern, deren Frauen, Sőhnen, einem katholischen Priester und deren Freunden heute zu erinnern.

Dieses aus der Idee der germanischen Dominanz geborene Verbrechen war gegen die hervorragenden polnischen Wissenschsftler und Erzieher den polnischen akademischen Jugend rerichtet, im Bestreben um auf diesem Wege eine Annihilation des Intellektes des polnischen Volkes zu erreichen.

Im folgenden mache ich Sie mit den Umständen dieses Verbrechens bekannt:

Gleich nach den Eindringen der deutschen Truppen ins Lemberg, in der Nacht vom 3. Auf den 4. Juli 1941, veshaftete ein Sonderkommando der Front-Gestapo under Befehl von SS-Hauptsturmführer

Hans Krüger und seines Vertreters SS-Obersturmführer Walter Kutschmann zusammen mit dem aous Ukrainern in SS-Uniformrn bestehenden Einsatzkommando „Nachtigall" brutal zahlreiche Profesorren der lemberger Hochshulen mitsamt deren anwegenden Familienangehöringen und Freunden. Dabei wurde wider ein Haft befehl vorgewiesen noch der Grund and das Ziel der Festnahme mitgetilt.

Mit Ausnahme eines einzigen Professors, der sich als deutscher Adliger vorstellte, sind alle Verhafteten noch vor Tagesahbruch bestialisch durch Erschiessung ermordet worden.

Die in der Morgendämmerung vollzogene Hinrichtung war von der Siete der Nabielakastrasse (aus Nord-Westen) und von der Site der Małachowskistrasse (aus Sűd-Osten) von mehreren Zeugen beobachtet worden von denen einige unter den Opfern der Hinrichtung einzelne ihnen persőnlich bekannte Personen identifiziert haben. Die Zeugen waren von Todesangst ergriffen und tief überzeugt, się würden auch ermordet werden, falls się darüber zu sprechen wagten. Die Frauen der verhafteten Professoren, denen das Schicksal ihrer Männer nicht bekannt war, erheilten auf Anfragen im Sitz der Gestapo in der Pełczyńskistrasse immer dieselbe Antwort: „ Ihr Mann ist an einem sicheren Ort”.

Das Verbrechen vom 4. Juli erstreckte sich auch auf die Familien der Professoren, darunter die Frauen zweier Proffesorem der Medizinischen Fakultät, weiter auf acht Söhne, enien Enkel, einen katolischer Priester und acht befreundete Personen, die alle festgenommen und gleich danach ermordet wurden. Wahrscheilich war die Festnahme der beiden Ehefrauen zusätlich durch die Gier nachdem in den Wohnungen der Ärzte-Professoren befindlichen sehr kostbaren Vermögen werden, um den Raub zu vereinfachen.

Am 12. Juli sid von Gestapo zwei weitere Professoren und am 26. Juli noch ein Professor des Lemberger Politechnikums (PL), welder am 2. Juli als erster verhaftet wurde umgebracht worden.

Insgesamt sind in Juli 1941 25 Professoren, darunter 14 der Jan-Kazimierz-Universität (UJK),

8 des Lemberger Politechnikums (PL), 2 der Akademie für den Ausenhandel (AHZ) une einer der Veterinärakademie in Lemberg ermordet worden.

Nachstehend folgt die genaue Liste aller Opfer dieses schrecklichen Verbrechens:

Die am 4. Juli 1941 im Tal der Wulecka-Hügel ermordeten und dort zeitweilig begrabenen

1.Prof. Dr Antoni Cieszyński, 59 Jahre, Dir. Den Stomatologische Klinik

2.Prof. Dr Władysław Dobrzaniecki, 44 Jahre, Primär-Arzt Abt. Chir. PSP

3.Prof. Dr Jan Grek, 66 Jahre, Professor an d. Kl. F. Innere Medizin UJK

4.Maria Grekowa, 57 Jahre, Frau von Prof. Grek

5.Doz. Dr Jerzy Grzędzielski, 40 Jahre, Dir. d. Augen Kl. UJK

6.Prof. Dr Edward Hamerski, 43 Jahre, Dir. d.Kl. f. Innere Krankh. AWL

7.Prof. Dr Henryk Hilarowicz, 51 Jahre. Prof. an d. Kl. F. Chir. UJK

8.Priester Dr teologie Władysław Komornicki, 29 Jahre, Verwadte v. Frau Ostrowski

9.Eugeniusz Kostecki, 36 Jahre. Mann d. Hausfrau v. Prof. Dobrzaniecki

10.Prof. Dr Włodzimierz Krukowski, 53 Jahre, Dir. d. Kat. f. Elektr. Mess. PL

11.Prof.Dr Roman Longchamps de Berier, 56 Jahre, Dir. d. Kat. F. Zivil. Rech. UJK

12.Bronisław Longchamps de Berier, 25 Jahre, Absol. d. PL Sohn v. Prof.

13.Zygmunt Longchamps de Berier, 23 Jahre, Absol. d. PL Sohn v. Prof.

14.Kazimierz Longchamps de Berier, 18 Jahre, Absol. d. Mittelschule, Sohn v. Prof.

15.Prof. .Dr Antoni Łomnicki, 60 Jahre, Dir. d. Kat. f. Math. PL

16.Adam Mięsowicz, 19 Jahre. Enkel v. Prof. Sołowij

17.Prof. Dr Witołd Nowicki, 63 Jahre, Dir. d. Kat. f. Pathol. Anatom. UJK

18.Dr med. Jerzy Nowicki, 27 Jahre, Ober As. D. Kat. f. Hygiäne, UJK Sohn v. Professor

19.Prof. Dr Tadeusz Ostrowski, 60 Jahre, Dir. d. Kl. f. Chir. UJK

20.Jadwiga Ostrowska, 59 Jahre, Frau v. Prof. Ostrowski

21. Prof. Dr Stanisław Pilat, ^0 Jahre, Dir d. Kat. f. Petrol/Erd-Gase PL

22.Prof. Dr Stanisław Progulski, 67 Jahre, Prof. An d. Kinder-Kl. UJK

23.Ing. Andrzej Progulski, 29 Jahre, Sohn v. Professor

24.Prof. Dr Roman Rencki, 67 Jahre Dir. d. Kl. f. Inn. Krankh. UJK

25.Dr med. Stanisław Ruff, 69 Jahre, Prim-Artz d. Abt. F. Chir. D. Judishen Krank-Haus. Abgennomen

in d. Wohnung v. Prof. Ostrowski

26.Anna Ruffowa, 55 Jahre, Frau v. Dr Ruff

27.Ing. Adam Ruff, 30 Jahre, Sohn v. Dr Ruff

28.Prof. Dr Włodzimierz Sieradzki, 70 Jahre, Dir. d. Kat. f. Gerichtl. Med. UJK

29.Prof. Dr Adam Sołowij, 82 Jahre, em. Prim-Artz d. Abt. F. Gebh./Gyneak. PSP

30.Prof. Dr Włodzimierz Stożek, 57 Jahre, Dir. d. Kat. f. Mathem. PL

31.Ing. Eustachy Stożek, 20 Jahre, As. PL, Sohn v. Professor

32.Emanuel Stożek, 24 Jahre, Absol. D. Chem. Fakul. PL Sohn v. Professor

33.Dr iur. Tadeusz Tapkowski, 44 Jahre, festgenommen in d. Wohnung v. Prof. Dobrzaniecki

34.Prof. Dr Kazimierz Vetulani, 52 Jahre, Dir. d. Kat. f. Theor. Mechanik PL

35.Prof. Dr Kacper Weigel, 61 Jahre, Dir. d. Kat. f. Messkunde PL

36.Mgr iur. Józef Weigel, 33 Jahre, Sohn v. Professor

37.Prof. Dr Roman Witkiewicz, 55 Jahre, Dir. d. Kat. f. Maschinen-Mess. PL

38.Prof. Dr Tadeusz Żeleński-Boy 66 Jahr, Literat, Dir. d. Kat. f. Franz. Lit. d. Universitat

Die am 4. Juli 1941 im Hofe d. Abrahamowicze-Erziehunghayses ermordeten

39.Katarzyna Demko, 34 Jahre, Lehrerin d. Engl. Sprache, festgenommen in d. Wohnung

v. Prof. Ostrowski

40.Doz. Dr Stanisław Mączewski, 49 Jahre, Prim-Artz d. Gebh./Gynaek. Abt. PSP

41.Maria Reymanowa, 40 Jahre, Kranken-Pfleg. Festgenommen in d. Wohnung v. Prof. Ostrowski

42.Wolisch, 40-45 Jahre, Geschäftmann, festgenommen in d. Wohnung v. Prof. Sieradzki

Die am 12. Juli 1941 ermordeten

43.Prof. Dr Henryk Korowicz, 53 Jahre, Dir. Kat. f. Ökonomie AHZ

44.Prof. Dr Stanisław Ruziewicz, 53 Jahre, Dir. Kat. f. Mathematik AHZ

Die am 26. Juli 1941 im Gefängnis ermordeten

45.Prof. Dr Kazimierz Bartel, 59 Jahre, dreimaliger Premier der Republik Polen, Dir. Kat. f. Entwurf-

Geometrii PL

Seit Juli 1941, als dieses grausame Verbrechen vollbracht wurde, sind über 60 Jahre vergangen. Während dieser Zeit hat kein einziges Gericht die Umstände geprüft, weder dessen inhumane Leit-Idee verdammt noch seine Inspiratoren und Täter zu bestrafen versucht. Passivität und Gleichgültigkeit oder schlimmer, Feight angesichts der Möglichkeit die Wahrheit enthüllen zu können, waren die Ursache, dass weder das Nürnberger Tribunal noch die dazu befugten Justitzbehörden der Bundesrepublik Deutschland den Willen zur Erfülung dieser fundamentalen Pflicht gezeigt haben.

Als im Jahre 1960 die Witwe Dr Helena Krukowska des ermordeten Professors Włodzimierz Krukowski (trotz erheblicher Schwierigkeiten Unterdrückung Polens durch die Sowjetunion infolge der Entscheidungen der Konferenz in Jalta) vor einem Gericht in Hamburg die Bestrafung der Täter des Verbrechens forderte erhielt się nach fünf Jahren den Beschluss (Aktenzeichen 141 Js 12/65) des letenden Oberstaatsanwalts von Below, er habe „ das Verfahren eingestellt" „ da die für die Erschiessung der Lemberger Professore verantwortlichen deutschen Täter, wie mit Sicherheit feststeht, nicht mehr Leben sind".

Der zitierte Beschluss zeigt das betrügerische Antlitz dieser Staatsanwaltschaff, da gerade in dieser Zeit der unmittelbare Täter des Mordes an Lemberger Professoren Hans Krüger sich einem Hamburger Gefängnis befand, vesurteilt wegen des Verbrechens an Juden in Stanisławów zu einer lebenslangen Freiheitstrafe.

Heute, wenn wir vor dem Beitritt Polens zur Europäischen Union erscheint się Stellungsnahme des deutschen Volkes zu diesem Vorbrechen von fundamentaler Bedeutung zu sein.

Wir halten es für unsere Pflicht, Ihre Aufmerksamkeit, Herr Präsident, darauf zu richten, dass die Notwendigkeit besteht, dass Się im Manen der Bundesrepublik Deutschland und des deutschen Volkes wegen des von Deutschen vollbrachten Mordes an den Lemberger Professoren und ihren Nächten, einen öffentlichen Akt der Reue erklären wie auch eine Verdammung der leitenden Idee dieses Verbrechens aussprechen.

Unbhängig davon behalten wir uns das recht vor dem höchsten Gericht der Bundesrepublik Deutschland eine Forderung nach Entschädigung für den Mord an unseren Vätern, Grossvätern, deren Frauen, Söhnen, einem Enkel, einem katholischen Preister ung deren Freunden – wie auch füf die Folgen dessen – zu stellen. stellen. Es ist unserer Wunsch, die erlangten finanziellen Mittel für die Fortsetzung ihrer tragisch unterbrochenen Rolle zu bestimmen.

 

Mit vorzüglicher Hochachtung

Der Präsident
Prof. Dr Antoni Cieszyński

Der Vize-Präsident
Prof. Dr Stanisław Grzędzielski

Der Sekretär
Dipl. Ing. Andrzej Chuweń