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INTERVIEW MIT THADDÄUS SCHÄPE, DEM GESCHÄFTSFÜHRER DES HAUSES

DER DEUTSCH-POLNISCHEN ZUSAMMENARBEIT

 

 

 


In der letzten Zeit veranstaltete das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit einige gelungene Wettbewerbe.  Was war das Ziel dieser Veranstaltungen?

 

Wir haben jeweils mehrere Ziele. Einerseits geht es uns darum, daß sich Jugendliche für den Aufbau der zivilen Bürgergesellschaft engagieren, andererseits wollen wir den Einwohnern unserer Region deutsche und oberschlesische Geschichte und Kultur präsentieren (z.B. durch die Konferenz zum Plebiszit in Oberschlesien von 1921). Darüber hinaus sind aus unserer Sicht politische Bildung und Landeskunde von großer Bedeutung. Nicht weniger wichtig ist für uns das deutsch-polnische Verhältnis und die Bemühungen, ein positives Klima für diese Beziehungen zu schaffen. Viele unserer Projekte richten wir an Personen, die sich beruflich mit deutsch-polnischen und europäischen Fragen befassen. Durch Wettbewerbe können wir aber auch Menschen erreichen, die an dieser Thematik interessiert sind, beruflich allerdings damit nichts zu tun haben.

 

Zur Zeit bereitet das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit einen Wettbewerb zum Thema „Ein besonders positives oder besonders negatives Erlebnis aus der Zeit 1920 –2001“. Worin wird in diesem Falle die Aufgabe der Teilnehmenden bestehen?

 

Die Aufgabe wird darin bestehen, ein besonders positives oder ein besonders negatives Ereignis, das mit der Multikulturalität und den deutsch-polnischen Fragen in Oberschlesien verbunden ist, zu beschreiben. Jugendliche im Alter von 15 bis 25 Jahren können ihr eigenes Erlebnis oder das Erlebnis einer nahstehenden Person beschreiben, die „erwachsenen“ TeilnehmerInnen können ihr eigenes Erlebnis aus der Zeit 1920 – 2001 beschreiben. Das Ziel dieses Projektes ist es, die Erlebnisse der Oberschlesier, die ihre Heimat nach 1944 verlassen haben, aber auch derer, die im Zusammenhang mit der Westverschiebung Polens aus anderen Regionen nach Oberschlesien kamen, zu popularisieren. Wir glauben, daß die Einwohner unserer Region neben zahlreichen negativen Erinnerungen auch positive Erlebnisse und Situationen in ihrer Erinnerung haben, die die vorurteilsbeladene Betrachtnungsweise des deutsch-polnischen Verhältnisses als einer Geschichte von Kriegen und Konflikten, in Frage stellt.

 

Zur Teilnahme an unserem Wettbewerb laden wir alle Einwohner unserer Region ein, unabhängig davon, woher sie stammen sowie die Oberschlesier, die zur Zeit in Deutschland wohnen.

 

Warum haben Sie gerade den Zeitraum 1920 – 2001 gewählt?

 

Das Jahr 1920 war eine Zäsur. Dies war ein Jahr der Unruhen, die zur Abstimmung und zur Teilung Oberschlesiens im darauffolgendem Jahr geführt haben. Ein Teil der Region wurde dem neuentstandenen polnischen Staat zugeschlagen, der Rest verblieb bei Deutschland.

 

Fürchten Sie nicht, daß in den meisten der zugesandten Arbeiten negative Seiten der deutsch-polnischen Nachbarschaft hervorgehoben werden? Daß darin bittere Erfahrungen beschrieben werden, und nicht die Elemente, die Deutsche und Polen verbinden könnten?

 

 

Das ist möglich, ich fürchte es aber nicht. Ich bin der Meinung, daß gegenseitiges Vertrauen auch dadurch entsteht, daß man auch negative Elemente unserer Vergangenheit beschreibt. Das Wissen über das Unglück, das meinem Nachbarn widerfahren ist, kann mir dabei helfen, ihn und sein Verhalten besser zu verstehen. Ausschließlich positive Seiten der Nachbarschaft zu zeigen, ist nicht alles. Die Reife eines Menschen erkennt man nicht daran, wie er auf einen Erfolg, sondern wie er auf Niederlagen reagiert. Diese Regel kann sich auch auf das deutsch-polnische Verhältnis beziehen.

 

Welche Preise sind für die Gewinner vorgesehen?

 

Die beste Arbeit aus Polen wird mit einem modernen PC prämiert. Der Autor der besten „deutschen“ Arbeit erhält eine Wochenendreise nach Schlesien. Darüber hinaus haben wir eine Reihe von weiteren Preisen vorgesehen.

 

Haben Sie persönlich auch ein besonders positives oder ein besonders negatives Erlebnis, das mit den deutsch-polnischen Fragen zusammenhängt?

 

Mit Sicherheit war die Tatsache, daß ich 1967 Cosel, meine Heimat, verlassen musste ein negatives Erlebnis für mich. Ich glaube, das Verlassen seiner Heimat, Abschied von Bekannten und das Herausreißen aus einem vertrauten Umfeld ist in jedem Fall ein negative Erfahrung. Allerdings fällt mir in diesem Zusammenhang automatisch eine positive Reflexion auf: Aus heutiger Sicht, nach über 30 Jahren, kann ich sagen, daß ich in Polen in dieser Zeit, ich unterstreiche es noch einmal, in dieser Zeit, nicht das gelernt hätte, was ich in Deutschland lernen und erfahren konnte.

 

An wen sollen Interessierte ihre Fragen richten?

 

Im Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit ist Herr Dawid Smolorz (Tel. 004832/232 49 02 Durchwahl 105, E-Mail: dawid.smolorz@haus.pl) für dieses Projekt verantwortlich. Bei Fragen steht er allen Interessierten jederzeit zur Verfügung.

 

Ich danke Ihnen für das Gespräch.